Pflegeheim Eigenanteil unbezahlbar – was Angehörige jetzt wissen müssen

Startseite » Pflege-Ratgeber Artikel » Pflegeheim Eigenanteil unbezahlbar – was Angehörige jetzt wissen müssen
3–4 Minuten

Die Diskussion um Pflegeheime ist aktueller – und beunruhigender – denn je. Hohe Kosten, Personalmangel und fehlende Menschlichkeit prägen das Bild vieler Einrichtungen. Angehörige stehen fassungslos vor der Frage: Gibt es überhaupt noch einen würdevollen Weg für meine Angehörigen, der nicht im finanziellen Ruin endet?

Eine Seniorin im Rollstuhl mit Tochter vor einem Pflegeheim.

Die Realität der Pflegeheime

Zunächst lohnt ein Blick auf die Zahlen: Laut Statistischem Bundesamt sind inzwischen 5,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Rund 800.000 von ihnen leben in Pflegeheimen. Die Kosten sind enorm. Im Bundesdurchschnitt zahlen Bewohner im ersten Jahr etwa 3.108 Euro Eigenanteil pro Monat.

In manchen Regionen liegt der Betrag sogar über 3.300 Euro. Trotzdem landen viele in Zwei-Bett-Zimmern und erleben Defizite in der Versorgung – etwa durch Personalmangel, mangelnde Hygiene oder fehlende Unterstützung beim Essen.

Der Eigenanteil setzt sich in der Regel aus den Kosten für Unterkunft, Verpflegung und den investiven Kosten der Einrichtung zusammen – die je nach Bundesland stark variieren. Gerade bei den Investitionskosten und Zusatzleistungen lohnt sich eine genaue Prüfung.

Pflege durch Angehörige – Fundament und Belastung

86%

Gleichzeitig werden 86 % der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, überwiegend durch Angehörige. Ohne sie würde das deutsche Pflegesystem schlichtweg kollabieren. Doch die Belastung ist hoch. Eine WIdO (Wissenschaftliche Institut der AOK)-Studie zeigt, dass fast jede vierte Hauptpflegeperson ihre Arbeitszeit reduziert oder ganz aufgibt. Zusätzlich berichten viele von psychischen Belastungen – sie fühlen sich überfordert und allein gelassen.

  • Berufliche Opfer: Laut WIdO-Studie muss fast jede vierte Hauptpflegeperson die Arbeitszeit reduzieren oder den Job ganz aufgeben.
  • Die unsichtbare Last: Die psychische Belastung ist gigantisch. Viele Angehörige fühlen sich mit der bürokratischen Flut und der körperlichen Pflege vollkommen allein gelassen.

Gibt es einen „goldenen Weg“?

Die ehrliche Antwort lautet: Nein, es gibt keinen perfekten Weg. Aber es gibt individuelle Lösungen, die helfen können. Wichtig ist, frühzeitig Klarheit zu schaffen und sich gut vorzubereiten.

Dazu gehören:

  • Informationen sammeln: Pflegegrade verstehen, Leistungen der Pflegekasse prüfen
  • Unterstützung organisieren: ambulante Dienste, Tagespflege, Kurzzeitpflege
  • Selbstfürsorge ernst nehmen: Pausen einplanen, Austausch mit anderen Angehörigen suchen
  • Rechtliche Vorsorge treffen: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – damit Angehörige im Ernstfall nicht überfordert sind

Diese Schritte helfen, die Pflege würdevoller zu gestalten und die Last besser zu tragen.

Ratgeber im Tablet
eBook im Tablet

Ich stimme der Datenschutzerklärung und der Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Erhalt der angeforderten Inhalte zu.

Wichtig: Wir behandeln Ihre Daten vertraulich und senden Ihnen nur Inhalte, die Ihnen wirklich weiterhelfen.

Schlusswort

Pflege darf nicht zur Überforderung führen. Mit Wissen, Vorbereitung und Unterstützung können Angehörige ihre Rolle besser meistern – und dabei auch auf sich selbst achten.


Quellen:

Statistisches Bundesamt (Destatis): Zur Gesamtzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland (5,7 Millionen) und der in Pflegeheimen lebenden Personen (rund 800.000).

Verband der Ersatzkassen (vdek) Pflegereport: Liefert Daten zum durchschnittlichen Eigenanteil für Heimbewohner im ersten Jahr (ca. $3.108$ Euro) und zur Zusammensetzung der Pflegekosten.

Wissenschaftliches Institut der AOK (WIDO): Zur Belastung pflegender Angehöriger, insbesondere im Hinblick auf die Reduktion der Arbeitszeit und psychische Belastungen.

Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Gesetzliche Grundlagen zur Einstufung in Pflegegrade und zu Leistungen der Pflegekasse.